Bücher von G. Praschl


  • "Der Aufstand Juni '53".


    Packende Zeitzeugenberichte zum 17. Juni 1953: Die Ereignisse aus der Sicht von Beteiligten und Betroffenen.
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  • Mutfrauen in der DDR
    "Mut-Frauen in der DDR"
    ist ein Buch von Bärbel Bohley, Gerald Praschl und Rüdiger Rosenthal, erschienen 2005 im Verlag Langen Müller Herbig, München, ISBN 3-7766-2434-5. Weiterlesen...
  • "Ich habe Nein gesagt"
    Zivilcourage in der DDR

    Ein Buch von Gerald Praschl und Marco Hecht, Homilius-Verlag, Berlin 2002. Mit einem Vorwort von Bundestagspräsident Wolfgang Thierse

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Unterwegs in der "Zone" von Tschernobyl
Geschrieben von: Gerald Praschl   
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Unterwegs in der "Zone" von Tschernobyl
Dabei hat er einen wichtigen Job.
Das Problem mit dem
Das Pompeji der Moderne.
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tschernobyl1"Tschernobyl- das letze Signal vor dem Overkill", reimte der deutsche Sänger Wolf Maahn im Juli 1986, kurz nach der Katastrophe. Vor 120 000 Menschen sang er damals in der oberpfälzischen Kleinstadt Burglengenfeld, meinem Geburtsort, beim „Anti-WAAhnsinnsfestival" gegen die Atomkraft an, 20 Kilometer von der Baustelle der damals geplanten Wiederaufarbeitungsanlage für radioaktive Kernbrennstäbe im bayerischen Wackersdorf entfernt.

Deutschland war damals in Angst vor dem "Fallout".


Die Massen stürmten auf Iod-Tabletten gegen Schilddrüsenkrebs. Züge voller Milchpulver wurden beschlagnahmt. Auch die Waldpilze wurden zum Entsorgungsfall. Endzeitstimmung breitete sich aus. Heute, 20 Jahre später, gibt es Deutschland immer noch. Die Ukraine auch. Der "Overkill" von Wolf Maahn blieb aus. Aber welche Folgen hatte der Super-Gau, der "Größte anzunehmende Unfall", die unkontrollierte Kernschmelze von Tschernobyl wirklich? Ich war vor Ort, genau 20 Jahre später.

 

Gemeinsam mit dem Fotografen Nikola Kuzmanic und Valentin, einem Strahlenexperten des ukrainischen Instituts für Landwirtschaft, fahre ich von Kiew aus in einem alten Lada in das einstige Katastrophengebiet nur 100 Kilometer nördlich der Stadt.

 

Eine Fahrt erst über Schnellstraßen, dann über holprigen Asphalt, vorbei an der kleinen Stadt Ivankiv, auf dessen Marktplatz noch immer ein großes Lenin-Denkmal steht. Dann der erste Checkpoint. Militärpolizei kontrolliert unseren Wagen. Ein großes Schild informiert über die Strahlenbelastung in der "Zone". Dem heute gesperrten, etwa 30 mal 60 Kilometer großen Gebiet rund um den Unglücksreaktor. Zu betreten nur mit einer Sondergenehmigung der Regierung, wie ich sie mir mit einigen Wochen Vorarbeit besorgt habe. Die Posten sind freundlich. Die heute demokratische Ukraine hat im Gegensatz zur ehemaligen kommunistischen Sowjetunion hier keine Geheimnisse. Nur ein großes Problem.

 

Links und rechts der Straße stehen Warnschilder.

 

„Stoj! Radiazija!“. Stehenbleiben! Radioaktivität! Man kann sie nicht sehen. Nicht riechen. Nicht fühlen. Man sieht nur Laub- und Nadelwald, dazwischen ein überwuchertes Dorf. Valentin, unser Experte aus Kiew, ist kein Ukrainer, sondern ein Russe, den noch die Sowjetunion kurz nach dem Unglück, 1987, hierher geschickt hat, um die Folgen zu erforschen. Seitdem ist er in der "Zone" halb zu Hause. Er erklärt uns, dass der Sperrbereich keineswegs eine Region des Todes sei. Hirsche, Wölfe, Elche, auch die einige Jahre nach der Katastrophe hier ausgesetzten seltenen Przewalski-Pferde, fühlten sich hier pudelwohl und vermehrten sich stetig, seit der Mensch hier 1986 die Flucht ergriff.

 

Tschernobyl, dessen Ortsschild nach ein paar Kilometern in der "Zone" rechts der Straße auftaucht, ist keineswegs ein toter Ort. Es gibt eine Ortsverwaltung. Einige Geschäfte. Eine Kneipe. Sogar ein kleines Hotel. Letzteres das einzige neue Gebäude der einstigen 5000-Einwohner-Stadt. Errichtet in den 90er Jahren vor allem für die komfortbedürftigen Wissenschaftler aus dem Westen, die hier aktiv sind. Oder für Journalisten wie uns. Mehr als Tausend Menschen leben bis heute in Tschernobyl. Arbeiter, die immer noch Beton über den "Sarkophag" des kollabierten Reaktors gießen. Regierungsbeamte. Sicherheitskräfte. Und auch einheimische Forscher wie Valentin, die wochenweise von Kiew aus hierher pendeln. Im Gegensatz zu uns übernachtet er allerdings nicht im 50 Euro teuren Container-Hotel. Sondern in einem seit der Katastrophe leer stehenden Haus. Ein paar Pritschen, ein Kanonenofen. Ich hätte ihn an diesem Abend gerne ins Hotel eingeladen. Aber er wollte lieber "bei sich zuhause wohnen". 200 Euro wollte er als Honorar dafür, dass er uns zwei Tage lang, am Wochenende, in seiner Freizeit, durch die "Zone" begleitet und mit seinem alten Lada herumkutschiert. Das ist ungefähr genauso viel, wie er im ganzen Monat als studierter Wissenschaftler im Landwirtschaftsministerium verdient. Wo auch immer die Milliarden landen, die die Europäische Union inzwischen für die Erforschung und die Eindämmung der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl ausgeben hat, hingekommen sind. Bei Valentin ist eher wenig davon hängen geblieben.