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Vom Stasi-Knast nach Klein-Istanbul

Stephan Krawczyks neues Leben 

Fotos: Nikola Kuzmanic (1), Stephan Krawczyk (2), Text: Gerald Praschl

Seine Ausreise aus der DDR machte ihn zum Medienstar. Dienstag, 2.2.1988: In einem Wagen der evangelischen Kirche passieren der ostdeutsche Liedermacher Stephan Krawczyk (geboren 1955) und seine damalige Frau Freya Klier die innerdeutsche Grenze bei Herleshausen. 15 Tage vorher war er von der Stasi verhaftet worden, auf dem Weg zur Rosa-Luxemburg-Demo der SED in Berlin. Dort wollte er gegen sein Berufsverbot demonstrieren.

 

In den 70er Jahren war Krawczyk Sänger der Folk-Band „Liedehrlich“, gewann 1981 den Nationalen Chansonwettbewerb und wurde in der DDR für „hervorragende künstlerische Leistungen“ hoch geehrt. Doch dann wurden seine Lieder immer kritischer. Er sang gegen Umweltzerstörung, Machtmissbrauch, Zensur. Die Mühlen der Stasi begannen zu mahlen. 1985 bekam er endgültig Auftrittsverbot. Seitdem trat er nur noch in Kirchen auf. Der letzte Freiraum für Oppositionelle. Krawczyks Konzerte waren Signale für die Menschen, die nicht nur anders denken, sondern anders tun wollten. Heute lebt Krawczyk in Berlin, unweit der Rütli-Schule, wieder im Brenntiegel der Konflikte. Er hat mittlerweile mehrere erfolgreiche Bücher geschrieben, ist mit Theater- und Bandprojekten unterwegs und - wie seit dreißig Jahren - als Solist mit Gitarre und Bandoneon.  

 

In einer zum 20. Jahrestag eigens erarbeiteten Konzertlesung erzählt Krawczyk aus erster Hand von dem Land, das 33 Jahre seine Heimat war. Er kennt nicht nur das Leben im ehemaligen Arbeiter- und Bauernstaat genau, sondern weiß auch um die Ereignisse und Zusammenhänge, die zum Zusammenbruch der DDR führten. Als Protagonist der Bürgerbewegung in der Vorwendezeit hat Krawczyk die DDR von ihrer deutlichsten Seite kennengelernt. Der heute 52-jährige hat eine Sprache gefunden, die Brücke ist zwischen gestern und heute.

 

Seine Lieder von gestern und heute öffnen dem Verständnis eine Tür zum Gefühl für das, worauf die nachfolgenden Generationen gründen. Stephan Krawczyk: „Für viele der heutigen Jugendlichen ist es schwer zu begreifen, dass es ein Land geben konnte, in dem man wegen Liedern ins Gefängnis kam. Glücklicherweise wachsen sie davon unbehelligt auf. Aber sie sollen wissen, wie es war. Die Freiheit ist nichts Selbstverständliches. Man muss sich dafür einsetzen.“

 

INFOS:

 

KURZBIOGRAPHIE von Stephan Krawczyk auf www.praschl.net

 

WEB-SEITE:

www.stephan-krawczyk.de

 

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