Chronik der DDR: Das Jahr 1954

17. Januar 1954 Rund 1 600 wegen angeblicher Kriegsverbrechen Verurteilte werden auf Sowjet-Beschluss aus DDR-Gefängnissen entlassen.
27. Januar 1954 Die ersten DDRMeisterschaften im Bob-Fahren werden im thüringischen Oberhof ausgetragen.
9. März 1954 Der DEFA-Film »Ernst Thälmann - Sohn seiner Klasse« hat Premiere. Thälmann-Darsteller ist Günther Simon.
19. März 1954 Das Berliner Ensemble zieht in sein Haus am Schiffbauerdamm. Eröffnungsvorstellung mit Molieres »Don Juan«.
30. März 1954 bis 6. April 4. Parteitag der SED. Es wird beschlossen, dass die Partei-Mitgliedschaft lebenslang gilt und nur durch Partei-Ausschluss beendet werden kann. Walter Ulbricht wird als Erster Sekretär des ZK bestätigt.
21. April 1954 Wiedereröffnung der im Krieg stark zerstörten Berliner
Volksbühne mit Schillers »Wilhelm Tell«.
1. Mai 1954 Erstmals nehmen auch die paramilitärischen »Kampfgruppen der Arbeiterklasse« an den Maidemonstrationen teil. Ihre Losung heißt: "Bereit zur Arbeit und zur Verteidigung der Heimat". Aufgabe der Kampfgruppen soll es sein, künftige mögliche Aufstände der DDR-Bürger gegen die SED-Diktatur wie am 17. Juni 1953 mit Waffengewalt niederzuschlagen.
9. Juni 1954 Aufregung um einen zweifelhaften politischen Prozess: Der im Januar 1953 verhaftete ehemalige DDR-Außenminister Georg Dertinger (CDU) wird wegen »Verschwörung und Spionage« zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt.
4. Juli 1954 Ob Ost oder West - an diesem Tag feiert das ganze Land.
Deutschland wird in Bern Fußball-Weltmeister. Völlig überraschend schlägt die Mannschaft von Trainer Sepp Herberger Ungarn in einem dramatischen Endspiel mit 3 : 2.
7. bis 11. Juli 1954 Rund 5 000 Besucher nehmen am 1. Evangelischen Kirchentag in Leipzig teil.
20. Juli 1954 Entführung oder Seitenwechsel? Unter bis heute ungeklärten Umständen verschwindet der Chef des westdeutschen Bundesamts für Verfassungsschutz Otto John bei Nacht und Nebel in die DDR.
31. Juli bis 8. August 1954 Erfolg bei den XII. Akademischen Sommerspielen in Budapest: 14x Gold, 7x Silber und 6x Bronze bringen die DDR-Athleten mit nach Hause.
5. August 1954 Ab sofort gilt: Jährlich dürfen DDR-Bürger nur noch 12 Pakete aus dem Westen erhalten. Inhalte und Mengen werden vom Staat vorgeschrieben.
19. bis 22. August 1954 Auf dem ersten Deutschen Turn- und Sportfest in Leipzig nehmen auch Sportler aus der BRD und Westberlin teil. Es kommen 25 000 Teilnehmer.
27. August 1954 DEFA-Filmpremiere »Alarm im Zirkus« von Gerhard Klein. Es geht um einen Pferdediebstahl im Berliner »Zirkus Barlay«.
29. August 1954 Erstmals seit Kriegsende gibt es wieder den traditionellen Brockenlauf im Harz.
3. September 1954 Umfangreiche Preissenkungen für Lebensmittel und
Gebrauchtwaren. So sinken die Postgebühren in der DDR: für Briefe auf 20 Pfennig, für Postkarten auf 10 Pfennig. Diese Preise gelten bis zum Ende der DDR. Auch Backwaren, Zucker und andere Waren sinken drastisch im Preis.
12. September 1954 Premiere des ersten eigens fürs DDR-Fernsehen produzierten Films: »Tilman Riemenschneider«.
6. Oktober 1954 Heinrich Mauersberger, Erfinder der »Malimo«-Technologie (eine raffinierte Nähwirktechnik zur Herstellung von Flächentextilien), erhält den Nationalpreis der DDR.
17. Oktober 1954 Bei den Wahlen zur 2. Volkskammer erreicht die »Nationale Front« aus SED und Blockparteien aufgrund der von der SED organisierten massiven Wahlfälschung 99,46 Prozent der Stimmen.
1. November 1954 Die DDR-Volkspolizei erhält grüngraue Uniformen.
7. Dezember 1954 In Leuna werden erste Versuche zur Herstellung von Polyäthylen, einem Kunststoff auf Erdöl-Basis, gestartet.
25. Dezember 1954 DEFA-Literaturverfilmung »Pole Poppenspäler« nach Theodor Storm hat Premiere. Regie: Artur Pohl.
30. Dezember 1954 Edith Keller-Herrmann gewinnt das »Große Internationale Schachturnier« im britischen Hastings 
|