Bärbel Bohley: Ihr neues Leben in Kroatien

Sie hat geheiratet, wohnt in einem Haus am Meer, hilft armen Kriegskindern. Ein Besuch bei der berühmten Bürgerrechtlerin in Kroatien. Besuch bei Bärbel Bohley im Jahr 2000
Neu: Bärbel Bohleys neues Hilfsprojekt. Wasser für Kriegsflüchtlinge. Besuch auf ihren derzeit 28 Baustellen im November 2006
Fotos: Nikola Kuzmanic, Text: Gerald Praschl
Stara Celina BB« ist ihre Hausadresse. Das BB steht nicht etwa für Bärbel Bohley, sondern für das kroatische Bez Broja (ohne Nummer). Denn Hausnummern gibt es nicht. Es leben auch kaum Menschen hier: Fast alle Häuser des malerischen Dorfes nahe der kroatischen Küstenstadt Omis, in dem Bärbel Bohley, (geboren 1945) lebt, stehen leer. Die Bauern, die einst hier wohnten, verließen ihre Heimat, gingen weg - nach Amerika, Australien oder Deutschland -, auf der Suche nach Arbeit, Glück und ein wenig Wohlstand. "Als wir 1998 das Haus kauften, war es eine von Dornen überwucherte Ruine", sagt Bärbel Bohley.
Die DDR-Bürgerrechtlerin schuf sich hier ein neues Heim. Im Garten duftet es nach Lavendel und Salbei. Vom Meer weht eine leichte Brise hinauf zur Veranda, auf der sie die SUPER ILLU-Reporter empfängt. "Dobro Dosli" (Willkommen) begrüßt sie uns auf Kroatisch. Sie nimmt einen Schluck Rotwein und erzählt die Geschichte des langen Wegs vom Prenzlauer Berg in Berlin bis in das kleine Paradies an der Adria. 1996 kündigte Bärbel Bohley ihren Job bei der Gauck-Behörde und zog als Aufbauhelferin nach Bosnien. Abstand von Ostdeutschland? "Ich war müde geworden, immer wieder mit erhobenem Zeigefinger an die SED-Diktatur erinnern zu müssen." Sie nippt an ihrem Glas, fährt fort: "Und an die dunkle Rolle, die damals auch Nachwende-Politiker wie Manfred Stolpe oder Gregor Gysi spielten." Als sie dann in Bosnien ankam, war sie von der Not der Menschen sehr bestürzt: "Viele hatten kein Dach mehr über dem Kopf und kaum etwas zu essen..."
Heute weiß die Bürgerrechtlerin, "dass dagegen die Probleme bei uns geradezu lächerlich sind". Drei Jahre blieb Bärbel Bohley im bosnischen Sarajevo, baute dort mit EU-Mitteln kriegszerstörte Häuser wieder auf: "Das Geld verteilten wir nicht an irgendwelche korrupte Behörden. Wir kauften das Material und gaben dies direkt Familien, die ihre Häuser herrichten und bewohnbar machen wollten." Stolz sagt sie: "So wurden 3.200 Dächer repariert oder neu gedeckt." Obwohl 1999 der Arbeitsvertrag von Bärbel Bohley endete, blieb sie auf dem Balkan - der Liebe wegen. In Sarajevo lernte sie den Lehrer Dragan Lukic (geboren 1947) kennen... Heute sind sie verheiratet. Gemeinsam erfüllten sie sich mit ihrem Haus am Meer einen Lebenstraum. Also ein richtiges Aussteigerleben? "Fehlanzeige!", lacht sie, "bei uns ist immer was los." Nicht nur viele Freunde aus Deutschland besuchen sie. Während des Sommers hat sie Kinder aus Bosnien zu Gast, die bei ihr kostenlos Ferien machen. Die Mädchen und Jungen kommen aus Flüchtlingsfamilien, leben zu Hause unter ärmlichen Verhältnissen.
Um ihnen zu helfen, gründete Bärbel Bohley den Verein Morska Zvjiezda (Seestern), der das Ferienheim für die Kinder finanzieren soll. Als Startkapital stifteten sie und ihre Freundin Katja Havemann 11.000 DM Preisgeld aus dem »Deutschen Nationalpreis«, mit dem beide für ihr Wende-Engagement ausgezeichnet wurden. Von dem Geld renovierte Dragan mit viel Liebe das Haus in der Nachbarschaft für die jungen Feriengäste. Im neuen Leben von Bärbel Bohley ist vieles anders geworden. Dennoch lässt sie die politische Entwicklung in der alten Heimat nicht kalt und ist "dank Satelliten-TV" gut informiert. Aufmerksam verfolgt sie den politischen Machtkampf um Berlin, macht aus ihrer Empörung keinen Hehl: "Eine Regierungsbeteiligung der PDS wäre ein Skandal. Als Nachfolger der SED hat sie kein Recht, Politik zu gestalten. Es war doch nicht der Sozialismus, sondern bürgerliche Politik, die aus der kaputten DDR wieder blühende Landschaften machte." Besonders ärgert sich Bärbel Bohley über die Popularität von Gysi: "Dieser Kerl faselt vom Sozialismus und will doch in Wirklichkeit nur die SED-Diktatur und seine eigene Stasi-Verstrickung schönreden. Wenn es die SED noch gäbe, wäre er noch drin!".
Spendenkonto für Bärbel Bohleys Verein, der bosnischen Kriegskindern
hilft:
"Seestern e.V."
Berliner Volksbank
Kto.Nr.: 1018229036
BLZ 10090000
Kurzinfo zu Bärbel Bohley Kinder-Hilfsprojekt zum PDF-Download
Mehr Infos unter www.baerbelbohley.de
130 Euro ermöglichen die Finanzierung eines einwöchigen Ferienaufenthalts
eines bosnischen Kriegskindes, für die Familien der Kinder fallen keinerlei Kosten an.
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|  Von oben:
Bärbel Bohley und ihr neues
Zuhause an der kroatischen Adriaküste.
In das Kinderheim "Morska Zvijezda", dass sie und ihr Mann Dragan Lukic aufgebaut haben, lädt sie jedes Jahr mehr als 50 Kriegskinder, meist aus Bosnien, ein, um dort kostenlos Ferien zu
machen. Die Kinder sind überwiegend Halb- und Vollwaisen.
Mehr Infos, Spendenaufruf unter: www.seestern-ev.de
Fotos: Nikola Kuzmanic
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