Chronik der DDR: Das Jahr 1977

1. Januar 1977 In Prag gründet sich die Bürgerrechtsbewegung »Charta 77«, die vom Regime die Einhaltung der Menschenrechte fordert. Bald gründen sich auch in der DDR solche organisierten Oppositionsgruppen.
11. Januar 1977 Deutsch-deutscher Eklat: Volkspolizisten beginnen, DDR-Bürger zu kontrollieren, die in die Ständige Vertretung der BRD in Ost-Berlin wollen. Die BRD protestiert.
6. Februar 1977 Der Bob »DDR I« mit Meinhard Nehmer, Hans-Jürgen Gerhardt, Bernhard Germeshausen und Raimund Bethge wird Weltmeister bei der WM in St. Moritz.
17. Februar 1977 In einem Interview mit der »Saarbrücker Zeitung« bestätigt Erich Honecker, dass rund 10 000 DDR-Bürger Ausreiseanträge gestellt hätten. Eine großzügigere Reiseregelung könne es aber nur bei Anerkennung der DDR-Staatsbürgerschaft durch die BRD geben.
17. April 1977 DEFA-Kinderfilmpremiere »Trini« nach dem Buch von Ludwig Renn.
20. Juni 1977 Einer der beliebtesten Schauspieler verlässt die DDR: Manfred Krug, vom SED-Regime wegen seines Protests gegen die Biermann-Ausbürgerung kalt gestellt, siedelt mit Familie in die BRD über.
23./24. Juni 1977 Das ZK fasst Beschlüsse zur Entwicklung von Elektronik und Elektrotechnik. Ab Januar 1978 sollen dafür neue Kombinate gebildet werden.
25. Juni 1977 Grundsteinlegung für die im Krieg fast völlig zerstörte Semperoper in Dresden.
1. Juli 1977 Um Devisen zu sparen, kommt der mit Malz-Kaffee gestreckte »Kaffee-Mix« in die Läden. Das Gebräu ist bald Gegenstand vieler Witze: »Erichs Krönung«.
7. Juli 1977 DEFA-Filmpremiere von »Ottokar, der Weltverbesserer«, nach Ottokar Domma, mit Kurt Böwe.
27. Juli 1977 Furchtbares Zugunglück bei Lebus. Ein Personenzug und ein Güterzug prallen frontal aufeinander, weil eine Weiche falsch gestellt war. 29 Tote, viele Verletzte.
30. Juli 1977 Die RAF-Terroristen Christian Klar, Brigitte Mohnhaupt und Susanne Albrecht erschießen den Chef der Dresdner Bank, Jürgen Ponto. Susanne Albrecht taucht 1980 mit Hilfe der Stasi in der DDR unter.
23. August 1977 Der DDR-Regimekritiker Rudolf Bahro wird verhaftet und ein Jahr später zu achtjähriger Gefängnisstrafe verurteilt. 1979 wird Bahro dann ausgewiesen.
26. August 1977 Der regimekritische Schriftsteller Jürgen Fuchs, Ende 1976 wegen der Biermann-Affäre verhaftet, wird in die BRD abgeschoben.
21. September 1977 Um den Mangel zu lindern, lockert die SED die Zollvorschriften. Bei der Einreise in die DDR darf Kaffee, Kakao und Schokolade künftig unbeschränkt mitgebracht werden.
23. September 1977 Die Kaffee-Krise in der DDR spitzt sich zu. Der Weltmarktpreis hat sich innerhalb von 2 Jahren verdreifacht, die DDR muss in diesem Jahr 300 Mio. Dollar für Kaffee-Importe zahlen: "Sie auszugeben, fällt uns nicht leicht", sagt Honecker.
23. September 1977 DEFA-Premiere: »Ein irrer Duft von frischem Heu« nach dem Lustspiel von Rudi Strahl.
7. Oktober 1977 Nach den offiziellen Feiern zum Jahrestag der DDR kommt es zu Massenschlägereien zwischen Jugendlichen und der Volkspolizei. 3 Tote, 200 Verletzte.
3. November 1977 Schlüsselübergabe für die ersten Wohnungen im Neubaugebiet Leipzig-Grünau.
30. November 1977 Das westdeutsche VW-Werk Wolfsburg bestätigt, dass die DDR 10 000 VW-Golf bestellt hat, die bis 1978 geliefert werden.
22. Dezember 1977 UdSSR und DDR unterzeichnen das Abkommen für den gegenseitigen Warenaustausch für 1978: Er soll auf 7,3 Milliarden Rubel steigen.
30. Dezember 1977 Sportler des Jahres: Rosemarie Ackermann, Leichtathletik-Nationalteam der Männer.
31. Dezember 1977 Der Super-Hit des Jahres: »Am Fenster« von City.

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