Chronik der DDR: Das Jahr 1990

3. Januar 1990 Der Runde Tisch, an dem die SED/PDS-Regierung mit Bürgerrechtlern verhandelt, vereinbart eine Große Koalition der Vernunft. Die SED/PDS-Regierung unter Hans Modrow darf im Amt bleiben, doch für einige Monate wird der Runde Tisch zur Machtzentrale der DDR.
8. Januar 1990 Bei den Montagsdemos in Leipzig ändert sich der Schlachtruf: Statt »Wir sind das Volk« dominiert jetzt: »Wir sind ein Volk«. Immer mehr Bürger fordern statt Reformen ein Ende der DDR und eine Wiedervereinigung.
15. Januar 1990 Nachdem der Minis-terrat die Auflösung der DDR-Staatssicherheit beschloss, stürmen Demonstranten das Hauptquartier der Stasi in der Ost-Berliner Normannenstraße. Die Besetzer finden 180 Kilometer Stasi-Akten. In den folgenden Monaten werden mit diesen Akten zahlreiche hohe Wende-Politiker als Stasi-Agenten enttarnt, u.a. der DA-Chef Wolfgang Schnur und SPD-Chef Ibrahim Böhme.
21. Januar 1990 Der ehemalige DDR- Staatschef Egon Krenz wird aus der SED/PDS ausgeschlossen.
29. Januar 1990 Ex-SED-Chef Erich Honecker wird verhaftet, doch wegen Haftunfähigkeit wieder freigelassen.
4. Februar 1990 Die SED/PDS benennt sich in PDS um.
7. Februar 1990 Die DDR-Oppositionsgruppen Neues Forum, Demokratie Jetzt und Initiative für Frieden und Menschenrechte schließen sich zur Partei Bündnis 90 zusammen.
1. März 1990 Alle Volkseigenen Betriebe in der DDR werden zu Kapitalgesellschaften. Eine »Anstalt zur treuhänderischen Verwaltung« soll sie in die Marktwirtschaft führen.
18. März 1990 Die letzten und einzigen freien Wah-len zur DDR-Volkskam-
mer bringen einen klaren Sieg für die »Allianz für Deutschland« aus DDR-CDU, DSU und DA mit 47,8 Prozent der Stimmen.
12. April 1990 Neuer Ministerpräsident der DDR wird der Ost-Berliner Rechtsanwalt Lothar de Màiziere. Seine »Große Koalition« aus CDU, DSU, DA, SPD und den Liberalen ist sich einig über einen schnellen Beitritt der DDR zur Bundesrepublik.
2. Mai 1990 Die deutschen Regierungen vereinbaren eine »Wirtschafts- und Währungsunion« zum 1. Juli. Wich-tigster Punkt: Das DDR-Geld wird in harte West-Mark umgetauscht. Das soll vor allem die Fluchtwelle aus der DDR stoppen. 60 Milliarden West-Mark in bar rollen in schwer bewachten, gepanzerten LKW in die DDR.
21. Mai 1990 Der erste in der DDR gefertigte VW-Polo läuft in Mosel bei Zwickau vom Band.
1. Juni 1990 Karl-Marx-Stadt wird wieder in Chemnitz zurückbenannt.
1. Juli 1990 Riesenandrang bei den Banken am ersten Tag der Währungsunion. Jeder darf pro Kopf 4 000 Ost-Mark im Verhältnis 1:1 umtauschen (Rentner: 6 000 Mark), den Rest 1:2. Das neue West-Geld freut alle Bürger, ist aber für viele DDR-Betriebe ein Sprung ins kalte Wasser. Sie sollen ihre Arbeitskräfte nun in DM entlohnen. Ihre Produkte sind aber meist für West-Geld kaum verkäuflich. Erste Massenentlassungen.
14.-16. Juli 1990 Kanzler Helmut Kohl erhält von Michail Gorbatschow die Zustimmung für ein vereinigtes und souveränes Deutschland.
23. August 1990 Nach einer dramatischen Nachtsitzung beschließt die DDR-Volkskammer mit 294 Ja-Stimmen von CDU, SPD, DSU, DBD und FDP den Beitritt zur BRD über Artikel 23 des Grundgesetzes mit Wirkung zum 3. Oktober. 62 Abgeordnete, darunter die PDS und einige Bürgerrechtler, stimmen dagegen.
6. September 1990 In den letzten Wochen der DDR fällt die Volkskammer noch einige langfristige Entscheidungen. Sie beschließt, die Stasi-Akten öffentlich zugänglich zu machen. Außerdem, 1972 enteignete Kleinbetriebe zurückzugeben und sieben Nationalparks zu gründen.
3. Oktober 1990 Um Mitternacht feiert ganz Deutschland die Wiedervereinigung. Die DDR gibt es nicht mehr.

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