Chronik der DDR: Das Jahr 1989

19. Januar 1989 Erich Honecker in einer Rede: „Die Mauer wird in 50 und auch in hundert Jahren noch bestehen bleiben, wenn die dazu
vorhandenen Gründe noch nicht beseitigt sind.“
6. Februar 1989 Die letzten Mauertoten: Der 20-jährige Kellner Chris Gueffroy wird auf der Flucht erschossen. Am 7. März stürzt in Berlin der 32-jährige Ingenieur Winfried Freudenberg bei einer Ballonflucht in den Tod.
2. Mai 1989 Ungarn schert aus dem Ostblock aus. Die Führung lässt den Eisernen Vorhang zu Österreich demontieren. Das Schlupfloch zieht viele Fluchtwillige aus der DDR an.
7. Mai 1989 Routinemäßig wird bei den Kommunalwahlen gefälscht: 98,85 Prozent für die Nationale Front. Doch diesmal gibt es Proteste. Bürgerrechtler, u. a. der Pfarrer Rainer Eppelmann, weisen mit Zählungen Wahlfälschung nach, das West-Fernsehen berichtet.
8. Juni 1989 Drohung mit Blutbad: Die Volkskammer wertet das Massaker am Pekinger »Platz des Himmlischen Friedens«, bei dem 3 000 Oppositionelle getötet wurden, als »Niederschlagung der Konterrevolution«.
19. August 1989 Zehntausende fluchtwillige DDR-Bürger kampieren in Notlagern in Ungarn. Bei einem von Kaiser-Enkel Otto von Habsburg veranstalteten »Paneuropäischen Picknick« an der West-Grenze bei Sopron nutzen 600 DDR-Bürger die Gelegenheit zu einer Massenflucht.
10. September 1989 Ungarn öffnet die Grenzen für DDR-Bürger. Trabi-Kolonnen wälzen sich gen Westen. In Bayern werden Zeltstädte als Notlager für Flüchtlinge errichtet.
11. September 1989 Im Haus des 1982 verstorbenen Dissidenten Robert Havemann in Grünheide gründen 29 Bürgerrechtler, darunter die Malerin Bärbel Bohley, die Oppositionspartei »Neues Forum«. Binnen Wochen wollen 200 000 DDR-Bürger Mitglied werden. Bald entstehen weitere Parteien: »Demokratie Jetzt«, »Demokratischer Aufbruch«, »Deutsche Soziale Union«, »Sozialdemokratische
Partei«. Zunächst verweigert die SED die Zulassung.
30. September 1989 4 000 DDR-Bürger, die in die Prager BRD-Botschaft flüchteten, dürfen ausreisen.
7. Oktober 1989 Zum 40. Jahrestag der DDR feiert sich das Regime. Gast Michail Gorbatschow mahnt: „Gefahren warten nur auf jene, die nicht auf das Leben reagieren.“ Während der Feiern kommt es zu einer Straßenschlacht in Berlin.
9. Oktober1989 70 000 Menschen ziehen durch Leipzig, rufen „Wir sind das Volk“. Die Polizei greift nicht ein. Ein Zeichen, dass sie vor einer blutigen »chinesischen Lösung« zurückschreckt, weil sie selbst die Nase voll hat oder nicht gegen das Volk kämpfen will. Ermutigt davon beginnen nun Montagsdemos in der ganzen DDR.
18. Oktober 1989 Palastrevolte: Erich Honecker wird vom SED-Politbüro von allen Ämtern entbunden. Neuer Generalsekretär der SED wird Egon Krenz. Er verspricht den Bürgern »Dialog« und eine »Wende«. Doch kaum einer glaubt ihm.
4. November 1989 500 000 Menschen auf dem Berliner Alexanderplatz fordern demokratische Reformen in der DDR.
9. November 1989 Das Jahrhundertereignis: Um 18.57 Uhr verkündet der Sprecher des SED-Politbüros Günter Schabowski die Öffnung der innerdeutschen Grenze. Binnen Stunden sind Hunderttausende an der Grenze, die Schlagbäume gehen hoch: Die Mauer ist gefallen.
13. November 1989 Hans Modrow wird als Nachfolger des am 7. November zurückgetretenen Willi Stoph neuer DDR-Ministerpräsident.
3. bis 6. Dezember 1989 SED-Chef Egon Krenz tritt zurück. Die SED benennt sich in SED/PDS um und wählt Gregor Gysi als neuen Parteichef, der einen »demokratischen Sozialismus« verspricht.
19. Dezember 1989 Bundeskanzler Helmut Kohl trifft zu einem historischen Besuch in Dresden ein und wird von der Bevölkerung bejubelt – mit »Helmut, Helmut« und der Forderung nach einer Wiedervereinigung: »Wir sind ein Volk«. 
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