Chronik der DDR: Das Jahr 1986

12. Januar 1986 Bei der Eisschnelllauf- EM im norwegischen Geithus läuft Andrea Schöne-Ehrig über 5 000 m in 7:31,45 Minuten Weltrekord.
24. Januar 1986 20 Ost-Berliner Bürgerrechtler, darunter die Malerin Bärbel Bohley, der Physiker Gerd Poppe und die Historikerin Ulrike Poppe gründen die „Initiative Frieden und Menschenrechte“, die erste organisierte Oppostionsgruppe in der DDR.
31. Januar1986 Erich Honecker gewährt dem Chefredakteur der westdeutschen Wochenzeitung „Die Zeit“, Theo Sommer, ein vielbeachtetes Interview. Vorher durften Sommer und ein „Zeit“-Team mehrere Wochen lang die DDR bereisen, Betriebe und Kultureinrichtungen besichtigen. In einer Reportagenserie stellt die „Zeit“ die DDR, die wenige Jahre später wirtschaftlich zusammenbricht, als florierendes Land dar.
11. Februar 1986 Auf der Glienicker Brücke zwischen Potsdam und West-Berlin werden der sowjetische Regimekritiker Anatoli Schtscharanski sowie drei westliche Agenten gegen fünf östliche Spione ausgetauscht.
19. Februar 1986 DDR-Volkskammerpräsident Horst Sindermann trifft zu einem viertägigen Besuch in Bonn ein. Er ist der bislang ranghöchste DDR-Politiker, der die BRD besuchte.
16. April 1986 Zum 100. Geburtstag von Ernst Thälmann wird in Ost-Berlin ein Thälmann-Denkmal eingeweiht, geschaffen von Lew Kerbel.
17. bis 21. April 1986 Auf dem XI. Parteitag der SED erklärt Gastredner Michail Gorbatschow, dass „Selbstkritik die unablässige Voraussetzung für den Erfolg“ sei.
26. April 1986 Im sowjetischen Atom-Reaktor Tschernobyl, 1 000 Kilometer von Berlin entfernt, kommt es zur unkontrollierten Kernschmelze. Radioaktiver Regen geht über Deutschland nieder. Das Unglück wird von den Sowjets tagelang verschwiegen. Erst als West-Medien davon berichten, veröffentlicht auch die von der SED kontrollierte DDR-Presse Messdaten über die radioaktive Verseuchung.
13. Juni 1986 Im Zeuthener See ertrinkt der Schauspieler und Country-Sänger Dean Reed (47). Ermittlungen und Abschiedsbrief beweisen, dass es Selbstmord war. Trotzdem bietet der Tod des Amerikaners, der sich für ein Leben in der DDR entschied, Anlass zu Spekulationen.
21. Juni 1986 In Tallinn springt Heike Drechsler mit 7,45 m neuen Weitsprung-Weltrekord.
5. August 1986 Eklat auf dem Postamt: Zum 25. Jahrestag des Mauerbaus erscheint eine DDR-Briefmarke mit Abbildung von Kampfgruppen vor dem Brandenburger Tor. Die westdeutsche Bundespost weigert sich, Briefe, auf denen diese Marke klebt, zu befördern.
11. August 1986 Fußballer des Jahres wird René Müller.
s 20. August Mit seiner Kugel stößt Udo Beyer in Berlin einen neuen Weltrekord: 22,64 Meter.
13. August 1986 Zum 25. Jahrestag des Mauerbaus protestiert der Ost-Berliner Pfarrer Reinhold Lampe auf originelle Weise: In Sichtweite der Mauer, auf der Ostseite, kettet er sich nur im Lendenschurz bekleidet, in ein Fensterkreuz, mit einem Transparent "Jesus stirbt an der Mauer in den Köpfen". Er wird von der Staatssicherheit verhaftet, kommt erst nach 4 Monaten wieder frei.
2. Oktober1986 Zwischen Mukran auf Rügen und dem sowjetischen Klaipeda (Memel) wird eine Fährverbindung eingeweiht. Sie hat vor allem politische Gründe, stellt sie doch eine direkte Verbindung zwischen der DDR und der Sowjetunion her und umgeht damit den Landweg durch Polen, das seit 1980 im Ostblock als umsturzgefährdet gilt.
15. November 1986 Auch die Deutsche Staatsoper in Berlin wird nach umfangreicher Renovierung feierlich wiedereröffnet.
12. Dezember 1986 Eine Tupolew 134 der Aeroflot aus Minsk stürzt beim Landeanflug auf Berlin-Schönefeld ab. 72 Tote, darunter 20 Kinder.
12. Dezember 1986 Sportler des Jahres sind Heike Drech sler und Olaf Ludwig.
16. Dezember 1986 Fernsehliebling werden in diesem Jahr: Walter Plathe, Helga Piur, Heinz Rennhack, Muck und Marijam Agischewa.
31. Dezember 1986 Hits des Jahres u. a.: »Bataillon d’Amour« (Silly), »Nicht allein« (Stern Meißen) und »Lass deine Engel los« von Wolfgang Ziegler und der Gruppe WIR. 
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