Die Berliner Mauer: Fakten, Opfer, Dokumente

 | |  | |  Die Mauer an der Bernauer Straße in Berlin (oben links). Schematischer Aufbau der Berliner Mauer - Geheimdokument der DDR-Grenztruppen (oben rechts). Einst Geheime Dokumentation über die "Effektivität" der innerdeutschen Grenze 1974 bis 1979 (unten links). Systematischer Aufbau eines mit "SM-70"-Selbstschussanlagen gesicherten DDR-Grenzzauns (unten rechts). Zum Vergrößern der Dokumente bitte anklicken
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Fotos und Dokumente: Berliner Mauerarchiv (Hagen Koch). Text: Gerald Praschl
Es waren vor allem ganz junge Menschen, die ihr Leben an der Mauer verloren. Bereits vor der Abriegelung der Grenze am 13. August 1961 waren 160 Menschen bei Fluchtversuchen umgekommen. Als erstes Opfer der Mauer starb am 19. August 1961 der 47jährige Rudolf Urban, als er sich aus einem Haus nach West-Berlin abseilen wollte. Bekanntestes Opfer ist Peter Fechter. Der 18jährige Lehrling wurde 1962 von Grenzern an der Berliner Zimmerstraße angeschossen. Hunderte West-Berliner sahen sein langsames Sterben. Sie konnten nicht helfen, weil Fechter auf DDR-Gebiet lag. Bilder, die um die Welt gingen.
Alle Fälle von Mauertoten wurden von der DDR-Führung wie Staatsgeheimnisse behandelt. Mitwisser wie Grenzer oder Angehörige der Toten wurden zum Schweigen verpflichtet. Besonders viel Mühe gab sich die Stasi dabei in den Fällen der 20 Kinder, die durch Grenzer-Kugeln starben. 1979 wurde der 15jährige Heiko Runge erschossen, als er mit seinem Klassenkameraden Uwe über die Grenze wollte. Eltern, Lehrer und Mitschüler erfuhren nur, er wäre "bei einem Unglücksfall im Zusammenhang mit einer Straftat" ums Leben gekommen. Sein Freund Uwe, der zu 2 Jahren Haft verurteilt wurde, musste erzählen, er sitze wegen Autodiebstahl.
Beim Spielen in Grenznähe wurden 1966 Lothar Schleußner (10) und Jörg Hartmann (13) erschossen. Ihre Leichen wurden sofort eingeäschert. Todesursache waren offiziell "Verkehrsunfall" und "Unfall mit Hochspannung". Die Totenscheine wurden plump gefälscht, die ungläubigen Eltern mit Drohungen zum Schweigen gebracht. Zum "erfolgreichen" Abschluss der Vertuschungs-Aktion lud der Chef der Berliner Grenzer, Poppe, die Todesschützen zu einem kleinen Sektempfang ein und zeichnete sie mit 200 Mark Geldprämie aus.
Es starben auch 27 DDR-Grenzer, mehr als 100 wurden durch Minen verstümmelt.
Die DDR-Führung nannte die Mauer "antifaschistischer Schutzwall". Damit 16 Millionen DDR-Bürger am besten gar nicht erst ans Abhauen dachen, stand schon die Planung von Flucht unter Strafe. Die Ausführung war so gut wie unmöglich.
Die Grenze wurde bereits im Landesinneren abgesichert. Viele, die Fluchtpläne schmiedeten, fielen dem MfS-Spitzelsystem zu Opfer. Zusätzlich standen zahlreiche Anwohner der Grenze auf der Soldliste von Volkspolizisten und Grenztruppen. Als "freiwillige Helfer" meldeten sie auffällige Personen.
Schon weit vor der 1381 Kilometer langen innerdeutschen Grenze war Sperrgebiet. Es durfte nur mit Sondergenehmigung betreten werde, die es für Anwohner und mache ihrer Verwandten gab. Politisch Verdächtige, die dort ansässig waren, wurden bereits in den 50er und 60er Jahren über Nacht deportiert.
Wer bis zum Grenzzaun vordrang, dem drohte der Tod nicht nur durch Schüsse der 50 000 Grenzer, sondern bis zur Demontage 1984 auch durch 860 000 Minen und 60 000 Selbstschussanlagen. Nur am 177 Kilometer langen Sperrgürtel um West-Berlin fehlten diese Höllenmaschinen.Dafür standen hier mehr Wachtürme und im Bereich der Innenstadt die 3,60 Meter hohe Berliner Mauer.
Die Effektivität des milliardenteuren Grenzsystems zeigt eine geheime Statisitik der Grenztruppen: Alleine im letzten Monat ohne Mauer, im Juli 1961, verließen 30415 Menschen die DDR. In den ganzen fünf Jahren von 1974 und 1979 gelang nur noch insgesamt 22 Menschen die Flucht. 3984 Flüchtlinge wurden schon weit vor der Grenze verhaftet, 743 im Todesstreifen gestoppt. Ob lebendig oder tot, steht nicht in der Statistik.
Wie viele Menschen genau an Mauer und innerdeutscher Grenze starben, ist bis heute unklar. Nachgewiesen sind 510 Tote an den Landgrenzen und 174 Flüchtlinge, die in der Ostsee ertranken. Das Berliner Mauer-Museum am Checkpoint Charlie, dass seit den 60er Jahren Todesfälle erforscht, geht von über 1000 Toten an Mauer und innerdeutschen Grenze aus. Link: www.mauermuseum.de . Unten eine Liste mit den Namen aller bekannten Toten an der Berliner Mauer:  Die Namensliste der Toten an der Berliner Mauer


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