Sachsens großes Erbe

 | |  Perlen Sachsens: Das 1248 gegründete Kloster Marienstern (links), die Basteibrücke in der Sächsischen Schweiz (Mitte), Schloss Moritzburg (rechts)
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Kloster Marienstern, einer der Perlen Sachsens. 1998 öffneten die Schwestern erstmals ihre Tore. Ein Blick auf den Freistaat Sachsen. Dem Glanz seiner Geschichte, der Tragik seiner jüngsten Vergangenheit, seinen Weg in die Zukunft
Fotos: Dresden Werbung und Tourismus GmbH. Text: Gerald Praschl
Äbtissin Benedicta überlegte lange. 750 Jahre lang hatten die Schwestern von Kloster Marienstern in Panschwitz-Kuckau in strenger Klausur gelebt. Draußen tobten derweil die Hussitenkriege, die Reformation, der Dreißigjährige Krieg, später die gottlosen Herren des Dritten Reiches und der SED. Mit der Abgeschiedenheit ihres Klosterlebens, waren die Nonnen da immer gut gefahren und hatten so die finstersten Zeiten überdauert. Und jetzt kamen Herren von der Sächsischen Landesregierung und begehrten Einlass. Eine "Sächsische Landesaustellung", für 1998 erstmals in Angriff genommen, sollte ausgerechnet in ihrem Kloster stattfinden. Wohl- gemerkt in allen Räumen, auch denen der "Klausur", die Außenstehenden sei jeher verschlossen sind.
Schummrig wurde es Mutter Benedicta auch bei dem Gedanken, die kostbaren Schätze zur Schau zu stellen, die die Nonnen sammelten, seit im Jahr 1248 der fränkische Adelige Bernhard III. das Kloster gegründet hatte. War es nicht gerade die jahrhundertelange Stille, die sie von den Unbilden der Zeiten, von Söldnern, Dieben und staatlichen Kunsträubern vom Schlage Schalck-Golodkowski bewahrt hatte? Am Schluss gab Benedicta nach. Gelockt von dem Versprechen, dass die Klosterschätze unter Leitung von Archäologin Judith Oexle erstmals professionell aufgearbeitet würden.
Was Frau Oexle und ihr Team in Marienstern fanden, gilt in Fachkreisen als Sensation. Mittelalterliche Goldschmiedekunst, uralte Handschriften und Heiligenfiguren, als spektakulärste eine hölzerner Christus von 1510. Auch die Nonnen waren platt, was die Archäologen in den Magazinen fanden. Ihre und andere Schätze erzählen nun von Sachsens großer Geschichte: so alt wie die von Geschichtsschreiber Ptolemaios 150 v. Christus erwähnten "Saxones" sind die jetzigen Sachsen zwar nicht. Die Spuren dieser Ur-Sachsen verlieren sich in England und Niedersachsen.
Die heutigen Sachsen betreten im Jahr 929 mit dem Bau der Burg Meißen die Bühne der Geschichte. Als Einwanderer aus Niederdeutschland, Thüringen, Franken und Bayern beginnen sie, Land von den Slawen zu erobern. 1089 kommt mit Heinrich von Eilenburg der erste Wettiner an die Macht. Mit Klostergründungen wie Pergau 1096 oder Marienstern 1248, aber auch mit Feuer und Schwert treiben sie ihre Landnahme voran. Erst seit dem 15. Jahrhundert nennen sie sich Sachsen.
Später, unter August dem Starken (1670 bis 1733) wird Dresden wichtiges kulturelles Zentrum. Sachsen bringt berühmte Köpfe hervor wie den Dichter Gotthold Ephraim Lessing (1729 bis 1781) aus Kamenz oder den Komponisten Richard Wagner (1813 bis 1883) aus Leipzig. Während der Industrialisierung florieren Bergwerke, Textilwirtschaft und Maschinenbau, locken Arbeiter aus anderen Ländern an. 1914 ist Sachsen das dichtbevölkertste Land in Europa.
Seitdem ist viel Wasser die Elbe runter. Der letzte Sachsen-König Friedrich August III. dankt 1918 frustriert ab ("Macht eiern Dregg alleene!"), Dresden, das Elbflorenz, verbrennt 1945 im alliierten Höllenfeuer und zu allem Übel bringt dann Sachse Walter Ulbricht als deutscher Chef-Stalinist ("Der Sozialismus siecht!") auch noch den Dialekt in Verruf. Sei´s drum. Heute jedenfalls machen die Sachsen wieder Dampf. Die Ausstellung von Marienstern war dafür gewichtiges Zeichen.

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