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Das neue Berlin





Gesichter des Neuen Berlin: Der Potsdamer Platz (links/rechts) und die Reichstagskuppel (Mitte)

Einst Trümmerfeld und Mauerpark, heute auf dem Weg zur einer europäischen Metropole

 

Fotos: Senat von Berlin. Text: Gerald Praschl

 

"Berlin wird noch sehr wachsen und sich mehr verwandeln. Eines Tages wird  Groß-Berlin im Osten bis Küstrin und Frankfurt/Oder reichen, im Westen über Brandenburg hinaus." Diese kühne Prognose erschien 1924 unter dem Titel "Berlin in 50 Jahren" in einem Magazin namens "Uhu". Als die überlebenden Berliner 1945 aus ihren Bombenkellern krochen, hatten sie andere Sorgen. Die ganze Stadt lag in Trümmern, das Berlin der Kaiserzeit und der "goldenen" 20er Jahre war verbrannt, verkokelt, gesprengt.

 

Mit Schaufel und Maurerhammer machten sich die Menschen an die Arbeit, ihre Stadt wieder bewohnbar zu machen. Doch im Würgegriff der Mauer entstanden aus der einen großen Metropole, die Berlin einst war, zwei normale Großstädte, ungleiche Brüder. So nah und doch so weit voneinander entfernt wie Erde und Mond. Auf der einen Seite die kalte, sozialistische Hauptstadt der Funktionäre und bröselnder Hinterhof-Kiez. Auf der anderen Seite ein staatlich subventioniertes Biotop von jungen Paradiesvögeln, trinkfreudigen US-Soldaten, ruhebedürftigen Rentnern und türkischen Döner- Verkäufern. Seit 1990 dröhnen nun die Bagger. Investoren wie Daimler-Benz, Sony, die Jagdfeld-Gruppe, Ernst Freiberger, Roland Ernst, Trigon oder Peter und Isolde Kottmair schlagen den Takt. Ihre neuen Kaufhäuser und Büro- Türme lassen die Vorzeige-Objekte der Nachkriegszeit, Ku'damm-Eck und Karl-Marx-Allee (vormals Stalin-Allee), alt aussehen. Gegen ihre funkelnden, neuen Hotels - das traditionsreiche "Adlon", das plüschige "Four Seasons", das mondäne "Grand Hyatt" - wirken einstige  "Errungenschaften" - ob "Grand Hotel" in Ost-Berlin oder "Kempinski" im 

Westen - fast wie Jugendherbergen.

 

Aus Trümmerfeldern und Todesstreifen wuchs im Konzert der Baukräne eine gigantische, neue Stadt. Der Tiergarten  wird für 1,5 Milliarden DM untertunnelt, in der Friedrichstraße funkeln  Kaufhauspaläste, der Pariser Platz, einst Schussfeld für die Grenzer, ist wieder pulsierender Boulevard. Im Spreebogen vor dem Reichstag, früher Grillwiese der West-Berliner Türken, wird bald Kanzler Schröder seinen Dienst antreten. Die Milliarden purzeln, nichts scheint zu teuer. Mindestens 50 Milliarden DM wurden in Berlin seit 1992 verbaut. "Dat einzige, wat uns noch fehlt, is' 'n Flughafen im Olympia-Tunnel", scherzt die Berliner Schnauze. Trotzdem finden die Berliner den Bauboom "schau". Soviel gemauert wurde hier zuletzt in der Gründerzeit. Damals entstand aus der piefigen Preußen-Hauptstadt eine wuselnde Millionen-Metropole,  zeitweilig größer als New York. Sogar Friedrich Engels, sicher nicht als Freund von Bau- Löwen bekannt, war damals, 1885, begeistert: "Ich freue mich, daß es diesem Unglücksnest endlich gelingt, eine Weltstadt zu werden."


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