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Ich war ein britischer Bomber

.... und es tut mir sehr leid“ Das sagt der heute 83jährige Brite Harold Nash, der im Weltkrieg im Cockpit eines Bomber-Flugzeugs über Deutschland saß.

 

Gerade hatte sie ihre Bomben über Hannover abgeworfen, als es passierte. Die britische Halifax mit sieben Mann an Bord, darunter Navigator Harold Nash, wurde von einem deutschen Jagdflugzeug angegriffen. Nash: „Ich hörte den Kugelhagel. Der Kamerad neben mir sackte tot zusammen. Dann fing das Flugzeug Feuer. Wir stürzten brennend in die Tiefe.“ In letzter Sekunde konnte sich Nash mit dem Fallschirm retten.Die meisten seiner Kameraden starben.

Als Brite im Feindesland. Das war am 27. September 1943. Harold Nash, damals 20 Jahre alt, überlebte. Drei Tage versteckte er sich im Wald. Nash: „Es war eiskalt, ich hatte Hunger und Durst. Und viel Angst davor,was die Deutschen mit mir machen würden.“ Als Nash schließlich versuchte, in einem niedersächsischen Dorf ein Fahrrad zu stehlen, wurde er geschnappt.

 

So schlimme Szenen wie in dem 2006 vom ZDF gezeigten  »Dresden«-Film, wo britische Flieger von aufgebrachten Deutschen erschossen werden, hat Nash nicht erlebt. „Das erste Verhör durch die deutsche Polizei war zwar streng. Aber die Tochter des Polizeichefs steckte mir heimlich zwei Äpfel zu. Dann brachten sie mich, bewacht von Soldaten, im Zug nach Frankurt/Main. Wir fuhren durch eine Stadt, die gerade von unseren Bombern angegriffen worden war. Die Ruinen schwelten noch, man sah auch Tote. Das machte mich sehr verlegen. Ich war ja in britischer Uniform und fürchtete, dass die Deutschen im Abteil ihre Wut an mir auslassen würden. Aber stattdessen stand eine der deutschen Frauen im Abteil auf und reichte mir ein Stück Brot. Was für eine Geste! Ich hatte noch Tage vorher Bomben auf diese Leute geworfen und sie gaben mir zu essen, statt mich zu schlagen. Ich bin darüber zum Pazifisten geworden.“

 

Harold Nash (83), heute pensionierter Lehrer in Birmingham, hat als Navigator eines britischen Bombers an Angriffen auf 13 deutsche Städte teilgenommen, unter anderem München, Nürnberg, Berlin, das Ruhrgebiet. Anfangs war er begeistert von seiner Mission. Nash: „Ich meldete mich freiwillig, als ich 18 war. Ich wollte unbedingt ein Held werden.“

 

Damals, 1941, kämpfte Großbritannien ums Überleben, war pausenlos deutschen Angriffen ausgesetzt. Hitler und seine Verbündeten beherrschten fast den ganzen Kontinent. Die USA half zwar mit Waffen-Lieferungen, aber ansonsten standen die 50 Millionen Briten lange Zeit ganz alleine da im Kampf gegen Hitlers Nazi-Imperium. Erst der deutsche Überfall auf die Sowjetunion im Juni 1941 und der Kriegseintritt der USA im Dezember desselben Jahres brachten den Briten die ersehnten Verbündeten.

 

Nash: „Unsere Bomberflotte war die einzige wirksame Waffe, mit der wir die Deutschen treffen konnten.“ Was Bomben auf Innenstädte anrichten können, hatte Nash schon 1940 selbst erlebt, als er Zeuge des deutschen Angriffs auf die britsche Stadt Coventry wurde (600 Tote). Er hatte eigentlich allen Grund, Hass auf die feindlichen Deutschen zu empfinden. Doch schon der erste Bomber-Einsatz verlief anders, als er sich das vorgestellt hatte: „Ich merkte, dass ich kein Held war, mich plagte stattdessen furchtbare Todesangst. Meinen Kameraden ging es ebenso. Wir waren alle sehr still.“ Je mehr Bomben-Einsätze er flog, desto skeptischer beurteilte er deren Sinn. Nash: „Wir griffen kaum militärische Ziele, sondern fast immer nur Innenstädte an. Ich weiß nicht, wieviele Frauen und Kinder durch meine Bomben umkamen. Aber ich glaube nicht, dass der Krieg deshalb schneller zu Ende war.“ Als im Februar 1945 Dresden in Schutt und Asche fiel, war Nash nicht mehr mit dabei. Nach seinem Abschuss 1943 saß er   in einem deutschen Kriegsgefangenenlager. Zu Kriegsende wurde er in Mecklenburg von britischen Truppen befreit. 

 

Als britischer Besatzungssoldat besuchte er später viele der zerstörten Städte. Nash ist bis heute davon schockiert: „Lauter Ruinen, unvorstellbar, zum Weinen. Wir Briten hatten natürlich ein Recht, uns gegen die Deutschen zu verteidigen und sie zu bombardieren. Aber was wir in Städten wie Dresden gemacht haben, war ein Kriegsverbrechen. Auch die Zerstörung von Hamburg und München. Unnötig und einfach nur grausam. Es tut mir sehr leid, dass ich ein Bomber war.“

 

Text: Gerald Praschl

 






Harold Nash heute. Er lebt als pensionierter Lehrer in Birmingham/UK. Zweites Foto: Ein Bild seiner Einheit der Royal Air Force, kurz nach Kriegsende aufgenommen, als er erneut im nun besetzten Deutschland Dienst tat. Nächstes Foto: Harold Nash mit seiner Frau Barbara. (Fotos: C. Woods/London) Unten: Harold Nash kurz nach Kriegsende mit Kameraden.

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