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Dresden. Der Untergang von Deutschlands schönster Stadt und seine Vorgeschichte

Text: Gerald Praschl

 

Dresden war nur eine von vielen deutschen Städten, die durch Bombenangriffe im Zweiten Weltkrieg zerstört wurden. Bereits seit 1942 fielen Köln, Hamburg, Berlin, Kassel und andere Großstädte bei Luftangriffen in Schutt und Asche. Ziel der Bomben waren dabei ganz bewusst nicht nur militärisch wichtige Raffinerien, Stahlhütten oder Munitionsfabriken, sondern die Zivilbevölkerung in den Städten. Gemäß der vom britischen Luftfahrtministerium 1942 ausgegebenen Strategie (»Area Bombing Directive«, zu Deutsch »Anweisung zur Flächenbombardierung«) sollte damit die Moral der Zivilbevölkerung gebrochen werden.

 

Die Strategie, die insbesondere der britische Luftmarschall Arthur Harris vertrat, war bei der britischen Führung umstritten. »Bomber-Harris« - So ging der Chef der britischen Bomber-Flotte (1892–1984) im Zweiten Weltkrieg in die Geschichte ein. Seine Strategie war, durch die Zerstörung deutscher Städte den Widerstandswillen der Deutschen zu brechen (»Moral bombing«). Harris rechtfertigte sich, er habe damit den Krieg schnell beenden und eigene Opfer vermeiden wollen. Außerdem hätten die Deutschen mit Bombenangriffen auf die Zivilbevölkerung angefangen, so in Warschau (1939), Coventry (1940), Rotterdam (1940) und London (ab 1940). Bis heute ist Harris auch in Großbritannien umstritten. Proteste gab es u. a., als er 1953 geadelt wurde und 1992, als die Königinmutter ein Denkmal in London für ihn enthüllte.

 

Das Trauma, das die Briten selbst durch verheerende deutsche Luftangriffe erlitten hatten, half aber Hardlinern wie Harris, sich durchzusetzen. Zum Beispiel der Schrecken des deutschen Angriffs auf die englische Stadt Coventry 1940, bei dem 600 Menschen starben, die Stadt zerstört wurde. Anfangs wurden noch viele britische und amerikanische Bomber über Deutschland abgeschossen, viele Piloten starben. Andere, die sich mit dem Fallschirm retten konnten, wurden, wie auch der Film zeigt, von aufgebrachten Deutschen getötet. Wieder andere landeten in Nazi-Konzentrationslagern. Insgesamt kamen 55 000 britische Air-Force-Leute ums Leben. Seit Ende 1944 hatte die deutsche Luftverteidigung den Bombern aber nichts mehr entgegenzusetzen. Das Ausmaß der Angriffe wurde immer verheerender.

 

Anfang 1945 stand die Sowjetarmee bereits in Schlesien, die US-Armee und die Briten am Rhein. Der Krieg war entschieden, aber noch nicht zu Ende. Denn Hitler und seine Generäle dachten nicht daran, zu kapitulieren. Deshalb ging auch der Bombenkrieg gegen die deutschen Städte in unverminderter Härte weiter. Besonders verheerend wirkten sich die so genannten »Feuerstürme« aus, die dabei entstanden. Die Alliierten warfen zunächst große Sprengbomben, die die Dächer der Häuser abdeckten. Eine zweite Bomberwelle warf dann Hunderttausende kleine, mit Phosphor gefüllte Brandbomben ab, die unzählige Brände entfachten. Die aufsteigende heiße Luft erzeugte in den engen Altstadt-Gassen einen gewaltigen Sog, ähnlich wie in einem Ofen. Das heizte die Brände weiter an, verwandelte alles in eine einzige riesige Flammenhölle.

 

Nürnberg (2. Januar 1945), Magdeburg (16. Januar 1945), Berlin (3. Februar 1945), Pforzheim (23. Februar 1945), Dessau (7. März 1945). Noch kurz vor Kriegsende starben Hunderttausende Deutsche im Feuersturm. Dresden war eine der letzten deutschen Städte, die dem Feuersturm zum Opfer fielen. Ihr Untergang war ein besonders schrecklicher Preis, den wir Deutschen zahlen mussten, als der von Hitler angezettelte Krieg in unser Land zurückkam.

 

 

Augenzeugen des Infernos erinnern sich:

Brigitte Brosche, geb.  1925: "Ich floh vor den Bomben aus der Straßenbahn"

Georg Frank, geboren 1940:  "Ich rannte durch den Feuersturm"

 

Böse Erinnerungen auch auf der anderen Seite:

Harold Nash aus Birmingham: Ich war ein britischer Bomber

 

 

 

 

 





Berühmtes Foto. Blick vom Rathaus auf die zerstörte Stadt (aus: Richard Peter: Eine Kamera klagt an). Darunter die Ruine der Frauenkirche, später ein Mahnmal gegen den Krieg. Unten: Die von 1994 bis 2005 wiederaufgebaute Frauenkirche in neuem Glanz (F: C. Muench/Dresden.de).

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